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Deutschland lebt auf Pump

Anfang 2020 waren die EU-Staaten laut Statista mit rund 11,06 Billionen Euro verschuldet. Deutschland hatte bereits am Ende des ersten Quartals 2020 einen neuen Rekord erreicht: mit 2,1 Billionen Euro Schulden wurde der höchste jemals ermittelte Schuldenstand festgestellt [1]. Umgerechnet auf die Anzahl der Einwohner Deutschlands, ist jeder Bundesbürger mit ca. 26.000€ Verschuldet.

Um das Ausmaß der Schulden richtig einschätzen zu können, ist es sinnvoll, sich die Staatsschuldenquote anzuschauen. Denn diese setzt die Staatsschulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt [2] – also zur Wirtschaftskraft des Landes.

Wie wird die Staatsschuldenquote berechnet?

Berechnet wird die Staatsschuldenquote wie folgt:

Staatsschuldenquote = interne und externe öffentliche Verschuldung
Bruttoinlandsprodukt [3]

Zur Erklärung: Wenn ich Schulden im Wert von 100.000 € habe und jeden Monat nur 1.000 € verdiene, ist es für mich sehr schwierig, meine Schulden abzubezahlen. Wenn ich jedoch monatlich 10.000 € verdiene, so wird es für mich wesentlich leichter die Schulden zu begleichen. Genauso funktioniert es auch bei den EU-Staaten – nur im größeren Maßstab.

EZB

EZB Gebäude in Frankfurt am Main – Photo by Charlotte Venema on Unsplash

Wie hoch ist Deutschland verschuldet?

Deutschlands Staatsschuldenquote lag 2019 noch bei 59,8 % [4] . Doch durch die aktuelle Corona-Pandemie und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Einbußen, erwartet die Europäische Kommission vom European Economic Forecast Spring 2020 eine Erhöhung der Staatsschuldenquote in der EU von 79,4 % auf 95,1 % [5] . Und das, obwohl die EU-Staaten sich auf eine maximale Staatsschuldenquote von 60 % geeinigt hatten [6] . Experten gehen davon aus, dass in Deutschland 2020 die Staatsschuldenquote auf 75,6 % steigt, jedoch 2021 bereits wieder auf 71,8 % fällt [7] .

Warum verschuldet Deutschland sich so stark?

Deutschland gibt mehr Geld aus, als es einnimmt. Gründe dafür sind unter anderem notwendige Ausgaben.

Schauen wir uns einmal die letzten Monate an, so wissen wir, dass der Staat viele Ausgaben getätigt hat, obwohl die Wirtschaft runtergefahren wurde: So wurden Hilfspakete für Solo-Selbstständige, Kurzarbeitsregelungen für Unternehmen, sehr günstige Kredite, die Entwicklung der Corona-App, die Digitalisierung von Schulen und anderen Einrichtungen und vieles mehr umgesetzt. Deutschland MUSS folglich Geld ausgeben, auch wenn es selbst kein Geld hat oder zurzeit deutlich weniger erwirtschaftet als es ausgibt.

Zusätzlich kann man die Verschuldung aber zum Teil auch auf eine politische Notwendigkeit zurückführen. Viele Bundesbürger*innen werden vom Staat bezahlt: Personen im Beamtenstatus, Bafög-Empfänger*innen, Sozialhilfeempfänger*innen, alle Berufspolitiker*innen, Ministerialbeamte und -beamtinnen und die meisten Personen im Ruhestand.

Aber auch andere Staatsausgaben müssen einfach getätigt werden. So hat Deutschland dieses Jahr, um den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie entgegenwirken zu können, beschlossen weitere Ausgaben zu tätigen, die im ursprünglichen Haushaltsplan nicht vorgesehen waren. Von Januar bis August 2020 beliefen sich die Ausgaben in diesem Segment auf 267,0 Mrd. €.

Für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kulturelle Angelegenheiten gab Deutschland von Januar bis August 2020 13.964 Mio. € aus. Für den Bereich Gesundheit, Umwelt, Sport und Erholung wurden rund 13 Mio. € ausgegeben, das entspricht 791,4 % mehr als im selben Zeitraum im Jahr 2019 [8]. Außerdem fallen unter anderem Kosten für Verkehrs- und Nachrichtenwesen, Allgemeine Finanzwirtschaft, Landwirtschaft, Wohnungswesen und Städtebau an.

Wie würden all diese Bürger*innen reagieren, wenn eine Partei die Neuverschuldung niedrig halten, keine weiteren Ausgaben für den Umweltschutz tätigen oder keine weitere Forschung für unsere Gesundheit betreiben möchte? Ganz klar – sie würden diese vermutlich nicht mehr wählen [9]. Eine so große Wählerschaft zu verlieren, ist für die meisten Politiker keine Option.

Das würde allerdings auch bedeuten, dass wir Bundesbürger*innen eine Politik der Geldentwertung und Verschuldung fördern. Macht das Sinn?

Foto von Anna Shvets von Pexels

Was bedeutet die Verschuldung für das Geld der Bundesbürger*innen?

An dieser Stelle können wir bereits festhalten, dass Deutschland hohe Schulden hat, die in den nächsten Jahren definitiv nicht getilgt werden. Doch wie sieht es in einem hoch verschuldeten Land für die Sparer*innen aus? Können Staat und Banken überhaupt noch Zinsen an die Bundesbürger*innen auszahlen?

Es scheint, als wäre das immer schwieriger: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik bekommen Anleger*innen beim Kauf von Bundesanleihen kein Geld mehr [10] . Und das, obwohl Bundesanleihen lange Zeit als eine der sichersten und risikoärmsten Anlagen galten [11] . Wie fast immer bei angelegtem Geld erhalten die Anlegenden eine Zinszahlung, auch Kupons genannt. Während die Anlegenden 1997 noch ganze 6,5 % Zinsen auf Anleihen bekamen, so gibt es 2020 genau 0,00 %.

Anleihe Fälligkeit Kupon Umlaufend letzte Auktion ISIN
1994 (2024) Bund 04.01.2024 6,25 % 12.750 Mio. € 16.04.2020 DE0001134922
1997 (2027) Bund 04.07.2027 6,50 % 13.750 Mio. € 16.04.2020 DE0001135044
2020 (2027) Bund 15.11.2027 0,00 % 22.000 Mio. € 15.09.2020 DE0001102523

[12]

Sogar bei Papieren, die über eine 30-jährige Laufzeit verfügen, verlieren die Sparer*innen ihr Geld. Denn auch hier gibt es eine Rendite, die mittlerweile bei unter 0 % liegt. Bei einer Inflation von 1,5 % verliert das angelegte oder verliehene Geld an Wert. Gehen wir von einer Inflation von 2 % aus, so wird der reale Wert des angelegten Geldes nach 30 Jahren halbiert sein [13. So werden Sparer bestraft und Schuldner belohnt.

Wie konnte es so weit kommen, dass in einem Land der Bausparer*innen und Pfennigfuchser*innen das Geld an Wert verliert? Wo kommt all das Geld her, das Deutschland zwar ausgibt, aber nicht einnimmt?

All das erfahrt ihr in unserem nächsten Artikel zum Thema “Geld”.

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