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Kann Bargeld trotz der Digitalisierung bestehen bleiben?

Wenn wir uns die Entstehung des Geldes anschauen, wird deutlich, dass die unterschiedlichsten Währungen immer wieder durch sichere und bessere Zahlungsmittel ausgetauscht wurden. Und wenn wir uns die aktuellen Geschehnisse in der Finanzwelt anschauen, wie die Entstehung von Kryptowährungen, realisieren wir, dass wir noch nicht am Ende unserer Suche nach neuen Geldarten sind. Wäre es dann nicht die logische Konsequenz, das Bargeld abzuschaffen und komplett auf digitales Geld zu setzen?

Vorteile von digitalen Bezahlmethoden

Durch die aktuelle Corona-Pandemie haben wir immer mehr mit Karte oder anderen digitalen Bezahlmethoden bezahlt. Im ersten Halbjahr 2020 haben sich die Zahlungen per Karte um 20,7 % im Vergleich zum Vorjahr erhöht [1]. Der Vorteil während einer Pandemie liegt auf der Hand: Kontakte und damit auch das Ansteckungsrisiko verringern sich.

 

Aber auch unabhängig von einer Pandemie hat bargeldloses Bezahlen seine Vorteile:
Wer kein Bargeld mit sich trägt, kann auch keins verlieren oder beraubt werden. Und auch das Risiko, welches im Ausland deutlich höher ist, Falschgeld als Wechselgeld zu erhalten, entfällt.
Zusätzlich spart die Bezahlung per Karte oder einer anderen digitalen Bezahlmethode Zeit. Ebenso entfällt die Suche nach einem Geldautomaten. [2]

 

Andere neuere, rein virtuelle Währungen wie Kryptowährungen, sind außerdem unabhängig von Zentralbanken und Staaten und können dementsprechend nicht durch günstige Zinsen künstlich niedrig gehalten werden [3]. Das Risiko besteht hier allerdings auf einer anderen Ebene: Denn wenn die Währung nicht reguliert und kontrolliert wird, kann sie schnell als Spekulationsobjekt genutzt werden. So ist der Bitcoin allein im Jahr 2017 von 1.000 US-Dollar auf 20.000 US-Dollar angestiegen. Dieser Anstieg ist jedoch nicht auf die Nutzung als Zahlungsmittel zurückzuführen, sondern auf die Nutzung der Kryptowährung als Spekulationsmittel [4]. Erst wenn das gegeben ist, kann die Kryptowährung wirklich bestehen.

 

Klingt doch alles nach Argumenten für die Abschaffung des Bargeldes, oder?
Und ein bisschen weg vom Bargeld sind wir bereits gekommen: Die Miete wird nicht mehr im Briefumschlag dem Vermieter gegeben und auch unser Gehalt bekommen wir in der Regel nicht bar auf die Hand, sondern auf unser Konto überwiesen. 

 

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Risiken von digitalen Bezahlmethoden

Eins steht nach wie vor fest: Die Deutschen lieben das Bargeld! Das hat eine Studie der ING-Diba ergeben. Denn die Deutschen liegen mit einer Barzahlungsquote von 48 % weiter über dem europäischen Durchschnitt von 32 %. Die Liebe zum Barzahlen ist zwar bei der älteren Bevölkerung (55-64 Jahre) mit 56 % am höchsten. Aber auch die jüngere Generation (18-24 Jahre) begleichen noch 49 % ihrer Zahlungen bar [5].

Denn die neuen Bezahlmethoden, wie u.a. Kreditkarte oder Apple Pay und Google Pay, bringen auch Risiken und Gefahren mit sich. Zum einen erfahren die Konsumierenden durch die neuen, doch sehr abstrakten Bezahlmethoden keinen Verlustschmerz beim Einkaufen mehr. Wenn wir mit Bargeld zahlen, dann wird uns sehr deutlich vor Augen geführt, dass wir gerade Geld ausgeben. Wir müssen die passenden Münzen und Scheine raussuchen, bekommen weniger Wechselgeld zurück und bemerken bei jedem einzelnen Kauf, dass unser Geld in der Geldbörse weniger wird.

Das ist bei den digitalen Bezahlmethoden nicht der Fall. Bei beispielsweise Apple Pay hinterlegen wir einmalig unsere Kontodaten und können dann unsere Einkäufe mit dem Smartphone tätigen. So bemerken wir nicht, wie wir nach und nach unser Geld ausgeben. Da besteht das Risiko, dass Schulden entstehen und wir den Überblick über unsere Finanzen verlieren.
Zusätzlich spielt auch hier das Thema Datenschutz eine wichtige Rolle. Denn durch die digitalen Bezahlmethoden werden alle unsere Daten wie unser Einkaufsverhalten gespeichert. Wo gehe ich einkaufen? Wie oft gehe ich einkaufen? Für welche Konsumgüter bin ich bereit,viel Geld auszugeben? All das wird gespeichert und all das wird verkauft. MasterCard, Visa & Co. verkaufen unsere Daten an Marktforschungsinstitute. So können wir in unserem Konsumverhalten besser gesteuert und manipuliert werden [6].

Einen Schritt weiter geht China. Denn China will alle privaten und staatlichen Datenbanken miteinander verknüpfen. Das Ziel dabei ist es, Bürger*innen, die Schulden machen oder diese nicht zurückzahlen, zu bestrafen, andere dagegen zu belohnen. So könnte es dann passieren, dass Bürger*innen, die bereits Schulden gemacht haben, keinen Zugang mehr zu einem Schnellzug oder Flugzeug bekommen[7]. Es ist zwar relativ unwahrscheinlich, dass so etwas in unserem demokratischen System passiert, ganz ungefährlich ist diese Entwicklung jedoch auch hier nicht. Denn wenn alles, was wir machen, überwacht, gemessen und bewertet wird, wie frei leben wir dann noch?

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Eine weitere Frage, die wir uns stellen müssen, wenn wir über die Abschaffung von Bargeld sprechen, ist, ob wir uns komplett vom Internet abhängig machen können und wollen? Was passiert bei einem andauernden Stromausfall oder bei der Zerstörung von Städten und damit auch deren Internetverbindung in beispielsweise Kriegsgebieten? Wie sollen die Menschen dort bezahlen?
Schweden ist bei dem Thema bargeldlos Bezahlen im weltweiten Vergleich weit vorne. Sollte ein solch apokalyptischer Fall eintreten, dann könnte die schwedische Regierung die Bevölkerung rund eine Woche mit dem nötigen Bargeld versorgen. Doch was passiert danach? Und wie können Bürger*innen bezahlen, die keinen Zugang oder noch keinen sicheren Umgang mit dem Internet haben? Diese Frage müssen sich alle Wirtschaftssysteme auf der ganzen Welt stellen, wenn sie über die Abschaffung von Bargeld diskutieren [8].

Eine weitere Gefahr, wenn das Bargeld komplett abgeschafft wird, besteht darin, dass es weniger Kontrolle über die Geldpolitik mehr gibt. Zur Zeit übernimmt diese Aufgabe die EZB. Doch diese erwirtschaftet ihren Gewinn zum großen Teil aus dem Drucken von Scheinen und der Prägung von Münzen. So kostet ein Euro-Schein in der Herstellung nur acht Cent, die Differenz ist der Gewinn für die EZB. Doch was passiert, wenn dieser Gewinn wegfällt? Kann die EZB dann überhaupt noch unabhängig arbeiten? [9]

Ja, unsere Welt entwickelt sich immer weiter und besonders die Digitalisierung hat ein schnelles Tempo angenommen. Und auch wenn wir alle in 20 Jahren vielleicht mit dem selbstfahrenden Auto durch die Stadt kommen und deutlich mehr Zahlungen nicht mehr bar begleichen, können wir uns sicher sein: Irgendwo steckt eine Oma ihrem Enkelkind noch einen Schein zu.

Und wohin dann mit dem Geldschein? Damit beschäftigen wir uns im nächsten Blogartikel, wenn wir euch unterschiedliche Investitionsmöglichkeiten vorstellen.

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